Elektronische Signaturen und die sichere Vernetzung des Gesundheitswesens
Autoren
- Prof. Dr. Paul Schmücker, Hochschule Mannheim, Institut für Medizinische Informatik
- Dr. Carl Dujat, promedtheus AG, Erkelenz
- Dr. Christoph Seidel, Städtisches Klinikum Braunschweig
Arbeitsgruppen
- Competence Center für die Elektronische Signatur im Gesundheitswesen (CCESigG) e.V.
- Arbeitsgruppe "Archivierung von Krankenunterlagen" der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS) e.V.
Die elektronische Dokumentation, Kommunikation und Archivierung von Patientenunterlagen, aber auch von anderen digitalen Objekten nehmen im Gesundheitswesen u. a. auch aufgrund neuer Versorgungsformen fortlaufend zu. Durch einen hohen Digitalisierungsgrad und eine optimale Anpassung der rechnerunterstützten Informationssysteme an die medizinischen Behandlungsprozesse können beachtliche Verbesserungspotentiale für Patienten und Mitarbeiter erreicht sowie wesentlich wirtschaftlichere Lösungen als früher angeboten werden. Im ersten Teil des Workshops werden Grundlagen, Lösungsansätze sowie die Verbreitung und der Mehrwert dieser dargestellt. Für die Ärzte und das Medizinische Personal ist nach Einsatz dieser Technologien die Zeit des ständigen Telefonierens und Suchens nach Patientenunterlagen vorbei.
Voraussetzung ist eine beweissichere elektronische Dokumentation, Kommunikation und Archivierung mit Hilfe elektronischer Signaturen [1]. Gesetzliche Regelungen und technische Lösungsansätze ermöglichen durch den Einsatz qualifizierter elektronischer Signaturen ein rechtssicheres elektronisches Dokumentenmanagement, eine sichere elektronische Kommunikation und eine beweissichere elektronische Langzeitarchivierung [2]. Da die verwendeten Hash- und Verschlüsselungsalgorithmen mit der Zeit ihre Sicherheitseignung verlieren können, müssen die signierten elektronischen Dokumente neu signiert werden können. Die Prozesse Signierung und Neusignierung müssen optimal in die komplexen klinischen Behandlungsprozesse integriert werden und dabei den kompletten Dokumentenlifecycle berücksichtigen. Dabei stellen sich folgende Fragen: Welche Dokumente der Patientenversorgung müssen mit einer Unterschrift versehen werden? Wann sind keine Unterschriften erforderlich, und welche Kompromisse können zugunsten praktikabler elektronischer Verfahren eingegangen werden, ohne gegen Gesetze zu verstoßen oder unvertretbare Risiken einzugehen? Mit der systematischen Betrachtung der Anforderungen an die Unterschrifts- und Signaturnotwendigkeit für klinische Dokumente setzt sich das Competence Center für die Elektronische Signatur im Gesundheitswesen e.V. (CCESigG) als neutrale Plattform des Gesundheitswesens auseinander. Es unterstützt die Einführung und Verbreitung der sicheren elektronischen Dokumentation und Kommunikation durch Empfehlungen und weitere geeignete Maßnahmen.
Obwohl die Relevanz sicherer elektronischer Dokumentation im Gesundheitswesen immer weiter zunimmt, entwickelt sich eine passende IT-Infrastruktur nur langsam. Zur Verbreitung können Referenzprozesse und -architekturen beitragen. Diese betreffen neben den optimalen Prozessabläufen auch das beweissichere ersetzende Scannen und die optimale Integration geeigneter Signaturmodule in die komplexen Informationssysteme des Gesundheitswesens. Neben der Beweissicherheit müssen aber auch Maßnahmen zum Datenschutz und zur IT-Sicherheit installiert werden. Als Unterstützung bei der Einführung und Verbreitung elektronischer Signaturen können die Braunschweiger Regeln, Empfehlungen für den Einsatz elektronischer Signaturen und Zeitstempel in Versorgungseinrichtungen des Gesundheitswesens [3], herangezogen werden.
Schlagwörter: Gesundheitswesen, Medizinische Informationssysteme, elektronische Dokumentation, elektronischer Nachrichtenaustausch, elektronische Archivierung, digitale Archi¬ve, Elektronische Signaturen, Dokumentenlifecycle, Beweissicherheit, IT-Sicherheit
Literatur
- A. Roßnagel, P. Schmücker (Hrsg.): Beweiskräftige elektronische Archivierung. Bieten elektronische Signaturen Rechtssicherheit? Heidelberg, München, Landsberg, Berlin: Economica, Verlagsgruppe Hüthig Jehle Rehm GmbH, 2005.
- P. Schmücker, C. Dujat, A. Häber: Leitfaden für das rechnerunterstützte Dokumentenmanagement und die digitale Archivierung von Patientenunterlagen im Gesundheitswesen. 2., überarbeitete Auflage, Darmstadt: GIT-Verlag, 2008.
- C. Seidel, H. Kosock, A. Brandner, J. Balfanz, P. Schmücker: Empfehlungen für den Einsatz elektronischer Signaturen und Zeitstempel in Versorgungseinrichtungen des Gesundheitswesens. Hrsg.: Competence Center für die Elektronische Signatur im Gesundheitswesen e.V. (CCESigG), Aachen: Shaker-Verlag, 2010.