eHealth2011 - Health Informatics meets eHealth - von der Wissenschaft zur Anwendung und zurueck. 26.-27. Mai 2011 im Tagungszentrum Schloss Schoenbrunn in Wien

Ethische Aspekte in AAL Projekten:
Mikro- und Makrolevel

Chair: Dr. Gerda Geyer Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG)

Das Ambient Assisted Living Joint Programm (AAL JP) ist ein europäisches F&E Programm, das die Erforschung und Entwicklung von Produkten, Dienstleistungen und Systemen fördert, die auf der Basis von Informations- und Kommunikationstechnologien die Lebensqualität älterer Menschen erhöhen sollen. Das Innovationskonzept des Ambient Assisted Living Joint Programmes besteht darin, mit Hilfe der Einbeziehung von End-AnwenderInnen in den Entwicklungsprozess Lösungen zu erzeugen, die am Markt erfolgreich, weil nachgefragt sein werden.

Die Einbeziehung von End-AnwenderInnen in den Entwicklungsprozess bringt es auf der Mikroebene mit sich, dass ethische Aspekte einen wichtigen Stellenwert während des gesamten Projektverlaufs und darüber hinaus einnehmen. Die primären End-AnwenderInnen - ältere Menschen -, die in den Projektablauf in der einen oder anderen Weise einbezogen werden, müssen wissen, worauf sie sich einlassen, wenn sie sich für das Projekt zur Verfügung stellen. Um eine gute Basis dafür zu schaffen, wird üblicherweise eine Einverständniserklärung aufgesetzt, die alle notwendigen Punkte klärt und von den beteiligten End-AnwenderInnen unterschrieben wird. In der Einverständniserklärung sind die wichtigsten Punkte - Projektinhalt und -ziele, Rechte und Aufgaben der End-AnwenderInnen, Ansprechperson im Projekt, etwaige Abgeltung von Aufwänden sowie die Vorgangsweise für einen potenziellen Widerruf der Teilnahme - festgehalten.

Darüber hinausgehend sind weiterführende Fragestellungen in ethischer Hinsicht von Bedeutung: Wie sollen die Projektkonsortien z.B. damit umgehen, dass sich die älteren Menschen womöglich an die Lösungen gewöhnen, die sie testen, und es nach Projektabschluss als Manko empfinden, wenn sie nicht mehr zur Verfügung stehen? Oder: Während der Projektlaufzeit wird den älteren Menschen eine Aufmerksamkeit und Bedeutung zuteil, die sie möglicherweise nach Projektende vermissen werden. Wie können die Konsortien die beteiligten End-AnwenderInnen möglichst gut darauf vorbereiten?

Neben der Mikroebene ist auch die Makroebene von AAL-Lösungen von Bedeutung. Auf der Makroebene geht es vor allem um "distributive ethics", also um Verteilungsgerechtigkeit, Leistbarkeit der Lösungen, Zugänglichkeit für alle, freie Wahlmöglichkeit usw.

Der Workshop zielt darauf ab, ethisch relevante Themenstellungen, die im Zuge einer AAL-Projektabwicklung zutage treten, aufzuzeigen und zu diskutieren. Weiters soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit makroethische Gesichtspunkte in der Projekterstellungs- und -abwicklungsphase zu berücksichtigen wären. Können Erfahrungen aus der medizinischen Forschung für AAL nutzbar gemacht werden?

SprecherInnen

DI Christiane Moser, Universität Salzburg, ICT&S Center
Ethische Aspekte in der Projektarbeit mit älteren Menschen - Ein Erfahrungsbericht

Dr. Marjo Rauhala, Technische Universität Wien
Ethische Aspekte auf der Makroebene - Distribution Ethics: Wie weit können oder sollen sie in der Projektplanung und Abwicklung berücksichtigt werden?

Prof. Dr. Peter Rehak, Universitätsklinik Graz
Medizinethische Erfahrungen - können sie für AAL Projekte nutzbar gemacht werden?